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Was ist ein Trauma?

Der Begriff Trauma stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet Wunde.

Aus medizinischer Sicht, ist Trauma eine Gewebsverletzungen, die durch Einwirkung von Gewalt entstanden ist.

Wir können nicht nur körperlich, sondern auch seelisch verwundet werden. Dann spricht man ebenfalls von Trauma oder genauer gesagt von einem Psychotrauma.

Dieser Beitrag soll Dir eine kurze Einführung in die Entstehung und die Folgen von Psychotrauma geben.

 

Wie entsteht ein Psychotrauma?

Trauma ist ein sehr komplexes Thema. Hier möchte ich auf 3 wesentliche Faktoren eingehen, die bei der Entstehung von Psychotrauma eine wichtige Rolle spielen.

1. Faktor: Eine Situation wird als bedrohlich erlebt

Es findet ein Ereignis statt, dass einen Menschen unter Stress setzt. Er fühlt sich nicht mehr sicher. Das kann eine wirklich heftige und lebensbedrohliche Situation, wie ein schwerer Unfall oder ein Erdbeben sein. Es kann sich dabei aber auch um Situationen handeln, die weniger dramatisch wirken, wie eine Mobbingerfahrungen oder ein Krankenhausaufenthalt in früher Kindheit.

Es kann sich also um eine wirklich sehr gefährliche Situation handeln, muss es aber nicht. Der springende Punkt ist hier, dass der Mensch die Bedrohung FÜHLT. Es geht also um das Erleben. Das Erleben hängt stark davon ab, welche Erfahrungen ein Mensch bis dahin schon machen durfte. Ein große Rolle spielen unsere frühkindlichen Erfahrungen, weil sie unser Stress-System maßgeblich prägen.

Ein Mensch, der bis dahin viele gute Erfahrungen machen durfte, weil er behütet, in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen ist, hat normalerweise gelernt, sich gut selbst zu regulieren. Ihm fällt es leichter Vertrauen in sich und die Welt zu haben und verliert nicht so schnell den Boden unter den Füßen bzw. empfindet Ereignisse nicht so schnell als bedrohlich. Andererseits haben Menschen, die in ihrer Kindheit viele Stress-Erfahrungen erleben mussten, oft eine geringe Selbstregulationsfähigkeit und ein ganz sensibel geprägtes Stress-System, das viel schneller aktiviert wird.

Das auslösende Ereignis bestimmt, aus ärztlicher Sicht, um welche Trauma-Art es sich handelt und damit auch, welche Diagnose gestellt wird.

Man unterscheidet eine Menge Trauma-Arten. Normalerweise kann jedes Trauma entweder zu den Monotraumatisierungen (einzelnes, klar abgrenzbares Ereignis) oder zu den sequentiellen Traumatisierungen (wiederkehrende und über einen langen Zeitraum stattfindend) eingeordnet werden.

Hier ist eine Liste der häufigsten Trauma-Arten. Einige Trauma-Formen können in mehrere Kategorien eingeordnet werden:

  Schocktrauma (=Akuttrauma)

  Komplextrauma (toxischer Stress wirkt über längere Zeit)

  Entwicklungs- und Bindungstrauma (frühe Traumatisierungen)

  Verlusttrauma

  sexuelles Trauma

  man-made-Trauma (durch Menschen verursacht)

  pränatales Trauma (im Mutterleib)

  perinatales Trauma (während der Geburt)

  Kriegstrauma

  kollektives Trauma (betrifft eine Gruppe von Menschen gleichzeitig)

  transgenerationales Trauma (wird in der Familie weitergetragen)

  sekundäres Trauma (durch das empathische Mitfühlen einer traumatisierten Person)

  und vieles mehr

2. Faktor: Die eigenen Bewältigungsstrategien können nicht retten

In einer Situation, die sich bedrohlich anfühlt, wird im Körper viel Energie freigesetzt und Überlebensstrategien wie Flucht oder Kampf werden aktiviert. Dies soll dem Menschen helfen, sich aus der Situation zu retten, um dann wieder in Sicherheit gelangen zu können.

Reichen die eigenen Bewältigungsstrategien nicht aus, gerät der Mensch in große Not. Er fühlt sich ohnmächtig, hilflos und ausgeliefert. Gefühle der Todesbedrohung werden erlebt.

Babys und Kleinkinder verfügen nur über eine Überlebensstrategie, nämlich der Bindungssuche durch Schreien und sind damit komplett von ihren Bezugspersonen abhängig.. Sie sind deshalb auch am empfindlichsten für Traumatisierungen.

Kann sich ein Mensch nicht selber aus der Situation retten, schaltet sich im Körper ein Notprogramm ein. Es schützt vor der Wucht des Erlebens und ist eine Art innere Flucht. Der Mensch spürt plötzlich weniger und hat vielleicht das Gefühl, als wäre das alles gar nicht real, als passiere das nicht. Alles Überwältigende wird gedämpft. Der Preis dieses Notprogramms ist, dass das Ereignis nicht verarbeitet werden kann. Dadurch kann es auch kein Teil des eigenen Erinnerungsschatzes werden, der später mit Abstand betrachtet werden kann.

Auch wenn dann das traumatische Ereignis vorbei ist, sitzt der Schreck noch unverarbeitet im Körper und beeinflusst unser weiteres Fühlen, Denken und Handeln.

Die Gegenwart wird von Erfahrungen aus der Vergangenheit gefärbt.

3. Faktor: Eine traumasensible Nachbetreuung fehlt

Ob sich eine Situation als Trauma mit Folgen für das ganze weitere Leben etablieren kann, hängt auch von den Umständen ab, auf die der Mensch nach dem Ereignis trifft.

Wird der Mensch mit seiner Erfahrung allein gelassen, wird vielleicht sogar beschämt oder verurteilt, bleibt der Schreck unverarbeitet im Körper stecken und verursacht Traumafolgen.

Wird der Betroffene aber von verständnisvollen, liebevollen Menschen aufgefangen, die ihm Halt, Trost und Raum zur Aufarbeitung geben, kann das Erlebte integriert werden ohne dass Traumafolgen entstehen müssen.

Trauma liegt nicht im Ereignis, sondern in der Überwältigung des Nervensystems.

Was bedeutet es für einen Menschen traumatisiert zu sein?

Jedes Trauma hat komplexe Folgen und .kann sich auf alle Ebenen unseres Lebens auswirken:

Konkrete Traumafolgen können sein:

  niedriges Selbstwertgefühl

  Ängste, Phobien, Blockaden

  Depressionen

  mangelnde Impulskontrolle

  Bindungslosigkeit

  Perfektionismus

  selbstverletzendes Verhalten

  Süchte

  Zwangsstörungen

  PTBS

  chronische Schmerzen

  Autoimmunerkrankungen

  Fibromyalgie

  und vieles mehr

Das Trauma verursacht so lange Folgen, bis das Schreckerlebnis verarbeitet wurde. Dies kann zum Beispiel durch eine traumasensible Unterstützung gelingen.